Pforzheimer Zeitung – Bericht vom 01. März 2026
Tiefenbronn. Am Freitagabend ist bei der Fahrt durch das Würmtal die Straße vor Mühlhausen plötzlich gesperrt, der Autoverkehr muss die Umleitung über Tiefenbronn nehmen. In der Ferne ist Blaulicht zu sehen, helles Flutlicht vertreibt die Dunkelheit. An der Tankstelle am Ortseingang hat sich ein Unfall ereignet, bei dem ein Auto auf einen Traktor geprallt ist – Benzin läuft auf die Fahrbahn. Ein großer Behälter mit dem Pflanzenschutzmittel Metazachlor ist beschädigt und muss umgepumpt werden. Verletze Insassen im Auto müssen medizinisch versorgt werden. Zahlreiche Einsatzkräfte der Feuerwehr sind vor Ort.
All das ist zum Glück nur das Szenario einer großen Übung der Feuerwehren Tiefenbronn, Mühlhausen und Lehningen. Diese sind mit insgesamt acht Fahrzeugen vor Ort, zwei des Deutschen Roten Kreuz sind ebenfalls im Einsatz.
„Wir werden heute hier einen Dekontaminationsplatz aufbauen, Chemikalienschutzanzüge tragen“, sagt Danny Klaus, der zusammen mit den Kameraden Christian Gall und Tim Weis als Übungsleiter im Einsatz ist. „Es geht auch darum, unter den Schutzanzügen feinfühlig zu arbeiten, abzudichten, die Gefahrstoffe umzupumpen.“ Die Gewöhnung sei wichtig, Routine und Erfahrung können im Ernstfall entscheidend sein. „Das haben wir jetzt nicht jeden Tag“, so Klaus. Zum Umpumpen der Gefahrstoffe kommt die Kofferpumpe zum Einsatz, die mit Druckluft funktioniert und somit keine elektrischen Funken erzeugt, die möglicherweise brennbare Dämpfe entzünden könnten.
Zehn Minuten nach der ersten Alarmierung muss spätestens das erste Einsatzfahrzeug an der Unfallstelle sein. Entsprechend der sogenannten GAMS-Regel – Gefahren erkennen, Absichern der Einsatzstelle, Menschenrettung unter Eigenschutz sowie Spezialkräfte nachfordern – ist dann eine schnelle Einschätzung über das weitere Vorgehen von großer Wichtigkeit. Die Einsatzleitung um Einsatzleiter Kevin Claus trifft sich am Leitstellenfahrzeug, das an einem gelben zirkulierenden Licht zu erkennen ist. Dort werden zentral alle weiteren Entscheidungen getroffen, beispielsweise ob das Umweltamt wegen einer möglichen Gewässergefährdung informiert werden muss. Auf einem großen Plan werden Notizen und die Darstellung des aktuellen Geschehens abgebildet, damit alle auf den ersten Blick erkennen, was wo zu tun ist. Im Anschluss an den Einsatz dienen die Tafeln zusätzlich als Dokumentation und Protokoll.
Die Übungsleiter zeigen sich schließlich mit den Ergebnissen der Übung insgesamt zufrieden, rücken aber auch ein paar Punkte in den Fokus, bei denen noch Verbesserungspotenzial besteht. Nach der Manöverkritik und dem Abzug der Wehren kehrt im beschaulichen Mühlhausen wieder nächtliche Ruhe ein, die Tankstelle wartet wieder auf den Kunden. Die SWE Südwestenergie GmbH stellte das Gelände gerne zur Verfügung. „Ziel der Übung ist es, den sachgerechten Umgang mit dem simulierten Gefahrgut sowie die besonderen Herausforderungen eines Einsatzes im Bereich einer Tankstelle realitätsnah zu trainieren“, so Marketing Managerin Melanie Räuchle. „Wir unterstützen diese Übung ausdrücklich, da eine gute Vorbereitung der Einsatzkräfte einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit leistet.“

